Rückblick Workshop: Leitfaden Cooperative Governance für Genossenschaften hat den ersten Praxischeck bestanden

 

Die Idée Coopérative erarbeitet als Kompetenzzentrum für Genossenschaften aktuell einen Leitfaden Cooperative Governance. Dieser bestand am 19. Mai eine erste kritische Prüfung an einem internen Workshop, bevor er im Herbst 2020 veröffentlicht wird. Fazit der Teilnehmer: Hier entsteht eine extrem nützliche Toolbox für Genossenschaften – auch für heisse Eisen. 

Wohin reiner Selbstzweck führen kann, haben verschiedene Probleme in Genossenschaften in jüngster Zeit gezeigt. Aber es geht bei diesem Leitfaden Cooperative Governance nicht um Vergangenheitsbewältigung, sondern um Zukunftsgestaltung! Denn so wie die Genossenschaften an sich ein nachhaltiges, innovatives Wirtschaftsmodell sind, will die Idée Coopérative als Kompetenzzentrum Genossenschaften neuen und bestehenden Mitgliedern aufzeigen, wie sie die Governance in den einzelnen Genossenschaften individuell verbessern können. 

Der Leitfaden zur Cooperative Governance, erarbeitet vom Kellerhals-Carrad-Team Prof. Dr. Thomas Nösberger, Dr. Beat Brechbühl und Dr. Daniel Lengauer, zeigt auf, wo für Genossenschaften die Kanten scharf sind, wo Klippen auf sie warten. Dies einerseits aufgrund der liberalen Rechtslage zu Genossenschaften, wenn es um den Zweckartikel oder die Transparenz etwa beim Mitgliedernutzen oder bei Vergütungen geht, und andererseits aufgrund der Psychologie, wenn es Rekrutierungen oder Anforderungen an die Entwicklung betrifft. Der Leitfaden zeigt klar: So flexibel die Rechtsform Genossenschaft ist, so viel Struktur und Ausgestaltung braucht es in den Statuten und anderen Reglementen für die Governance.

Da sich Genossenschaften nie über eine Leiste schlagen lassen, ist der Leitfaden bewusst als eine neutrale Orientierungshilfe konzipiert: Er ist ein solider, handlicher und übersichtlicher Werkstattkasten. Und er ist vielteilig: Denn die Cooperative Governance muss vergleichsweise viel mehr Aspekte abdecken als Corporate Governance in der Aktiengesellschaft. Daher gibt es auch keinen einheitlichen «Code of conduct».

Die kritischen Anregungen und Ergänzungen der Workshop-Teilnehmer aus verschiedenen Verwaltungen und Geschäftsleitungen kleiner bis grosser Genossenschaften werden nun in den Leitfaden eingearbeitet. Die Idée Coopérative wird ihn im Herbst der Öffentlichkeit präsentieren und das neue Instrument später auch breit einsetzen: als Translation von der Jurisprudenz in die Praxis und als Prävention für Governance-Probleme, die letztlich auch an der Reputation des Genossenschaftsmodells kratzen. 

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Workshop hat gezeigt: Künftig sollen dank der Idée Coopérative möglichst viele Genossenschaften ihr eigenes Geschäftsmodell zweckmässig, nachhaltig innovierend und eben selbstverantwortlich entwickeln und weiterentwickeln können.