Genossenschaften und Covid-19: Die Organisation der Pflichtlager von Nahrungs- und Futtermitteln in der Schweiz ist weltweit einzigartig

Quelle: ZVG

 

Die Produktion der Nahrungsmittelhersteller läuft auf Hochtouren, um volle Regale in den Supermärkten zu garantieren. Bis jetzt mussten die strategischen Reserven des Bundes (Pflichtlager) nicht geöffnet werden. Für das Management der Pflichtlager ist eine Genossenschaft zuständig: die Genossenschaft réservesuisse

Die Idée Coopérative stellt Genossenschaften vor, die ihren Zweck auf Krisensituationen ausgerichtet haben. Dank gemeinsamer Selbsthilfe, Solidarität und Kooperation bietet die Unternehmensform Genossenschaft einen besonders wichtigen Rettungsanker, um Personen und Organisationen in der Not zu unterstützen.

Die réservesuisse Genossenschaft hat 118 Genossenschafter – allesamt Privatunternehmen – und erbringt Dienstleistungen im Zusammenhang mit Import, Lagerung und Verarbeitung von Nahrungs- und Futtermitteln, die dem Landesversorgungs­gesetz unterstellt sind. Die Genossenschaft trägt damit massgeblich zur Versorgungssicherheit der Schweiz bei, indem Engpässe durch einen funktionierenden Handel, verbunden mit einer systematischen Lagerhaltung von Nahrungs- und Futtermitteln, möglichst verhindert werden. Im Auftrag des Eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung erteilt die réservesuisse zudem Generaleinfuhrbewilligungen an Importeure und kontrolliert die Pflichtlagerbestände.

Pflichtlager sind das bekannteste und wichtigste Instrument der Vorratshaltung, welche seit Anfang zur wirtschaftlichen Landesversorgung gehören. Zur Vorratshaltung verpflichtet sind Unternehmen, die lebenswichtige Waren einführen, herstellen, verarbeiten oder zum ersten Mal in Verkehr bringen. Der Lagerpflicht unterstehen folgende Nahrungs- und Futtermittel:

  • Zucker
  • Reis zu Speisezwecken
  • Speiseöle und Speisefette
  • Kaffee
  • Getreide zur menschlichen Ernährung
  • Energie- und Proteinträger zu Futterzwecken

Dieses einzigartige Modell erlaubt es, während ruhigen Zeiten die Pflichtlager unternehmerisch zu betreiben und in einer Notsituation effektiv und effizient zu reagieren. Da passt es, dass Genossenschaften typischerweise ihre unternehmerischen Ziele langfristig festlegen und nicht primär auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind. Es ist weltweit einzigartig, dass die Pflichtlagerhaltung genossenschaftlich organisiert ist. Nach Covid-19 könnten sich jedoch nachahmende Staaten finden.