Tourismus-Genossenschaft discover.swiss Swissness 4.0

Success Story | 24.02.2020 | Text: Martina Bortolani

Das zukunftsweisende Tourismus- und Digitalisierungsprojekt «discover.swiss» ist Paradebeispiel, dass man als Genossenschaft ein ganzes Land begeistern kann
 

Im Foyer sitzen drei junge Frauen auf einer Sofalandschaft und beugen sich schweigend über ihre Handys. Ein Herr, der aussieht wie ein Uniprofessor aus Mumbai, sitzt an einem der langen Holztische und liest Zeitung. Zwei Backpacker kauern in der Lobby, sie sehen so müde aus wie ihre beiden Rucksäcke schwer. Eine Mitarbeiterin poliert Kaffeetassen hinter dem Tresen der Cafeteria. Ruhige, entspannte Morgenstimmung in der Lobby der Jugendherberge Zürich-Wollishofen.   

Über eine breite Steintreppe, vorbei an einem Töggelikasten und einem Billardtisch, führt der Weg in ein geräumiges Sitzungszimmer im Sous-Sol. Rund ein Dutzend Geschäftsleute, elegant, aber nicht überkandidelt gekleidet, richten ihre Augen an diesem Morgen auf Jon Erni. Der sympathische Bündner mit der Ausstrahlung eines Engadiner Skilehrers präsentiert motiviert, worauf wichtige Vertreter der Schweizer Tourismusbranche hier im Raum gespannt warten: Details zum voranschreitenden Projekt discover.swiss – eine digitale Plattform für alle Akteure im Schweizer Tourismus. 

Mit einer virtuellen Gästekarte im Angebot, mit der man als Ausland- oder Freizeittourist in der Schweiz «alles einkaufen, alles erleben, alles geniessen kann». So die Vision des vierköpfigen Gründungsteams, alles gestandene Businessgrössen: Jon Erni, ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied von Microsoft und Initiant von «mia Engiadina», Janine Bunte, CEO von Schweizer Jugendherbergen, Urs Wagenseil, Professor und Leiter des Kompetenzzentrums für Tourismus der Hochschule Luzern, sowie Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse. 

Zum Vorstand stiessen später Martina Stadler, Engadiner Tourismusdirektorin, Martin Sturzenegger, Direktor Zurich Tourismus, sowie Marcel Perren, CEO Luzern Tourismus. Sie alle sind überzeugt, dass man gemeinsam und mit der geballten Kraft eines Vereins und einer Genossenschaft (siehe Box) viel bewegen kann. Ein grosser Teil des Projekts wurde mit Eigenmitteln finanziert, nun folgt der nächste Schritt: Im Frühjahr 2020 starten die ersten digitalen Angebote via die drei Kick-off-Partner Zurich Tourismus, Schweizer Jugendherbergen und Engadin Scuol Zernez Tourismus mit ihren jeweiligen Apps für die Gäste. Der Non-Profit-Verein und die Genossenschaft hinter dem Millionenprojekt schreiben sich zwar konsequent klein, bergen dafür aber grosse Strahlkraft hinsichtlich Innovationsstandort Schweiz. Denn auch hierzulande landet, wer surft, relativ rasch auf booking.com oder Airbnb. «Die Gefahr dabei ist, dass der Markt dadurch immer mehr von multinationalen Konzernen bestimmt wird, wenn man es verpasst, einen eigenen, überzeugenden Auftritt aufzubauen», sagt Jon Erni. Als erster dezentraler Schweizer Anbieter auf dem Markt soll discover.swiss als einheitliche Schnittstelle figurieren, «um den Destinationen die Möglichkeit zu geben, unabhängiger von Kommissionen und Preismodellen ausländischer Anbieter zu werden» sagt Erni. Unterschiedliche Dienstleistungen sind geplant. Über eine IT-Backend-Plattform mit Info-Center und Marktplatz werden die relevanten Partner angebunden. Über sogenannte Connectors werden wichtige Partner (z.B. Outdooractive, Guidle) ans Backend angebunden und den Nutzern von discover.swiss zugänglich gemacht. Vereinfacht gesagt: Ziel ist die Bündelung und Zusammenführung von Angebot und Nachfrage, kuratiert von einem Profi-Team, das sich sowohl mit der digitalen Transformation als auch mit Gästeprozessen und bei Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsthemen auskennt. 

Digitale Revolution auch auf kleine und mittlere Betriebe abgestimmt


Vom Skilift-Betreiber, dem Familienbetrieb bis zum KMU:  Jeder, der mit dem Tourismus, ob klein oder gross, seinen Unterhalt verdient, muss der digitalen Revolution standhalten. Doch nicht alle haben Budget und Knowhow, eine Plattform oder die notwendigen Werkzeuge auf die Beine zu stellen. «Einem kleinen Familienbetrieb, der seit Jahrzehnten am gleichen Hang einen Skilift betreibt, wird damit der Zugang zur Digitalisierung genauso ermöglicht wie vielen KMU», sagt Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern. Mit der Plattform discover.swiss werden ausserdem viele Angebote direkt buchbar: Von der Hotel-Luxussuite bis zur SAC-Hütte, vom privaten Bergführer bis zum Konzertticket, vom Riverrafting-Einsteigerkurs bis zum Familienskipass. 

Die Gäste an diesem Workshop-Morgen sind überzeugt von der Zukunftsfähigkeit, der professionellen Bodenhaftigkeit und Glaubwürdigkeit von discover.swiss. Nicht zuletzt macht auch der Ort dieser Zusammenkunft das Projekt so authentisch. Man hat es nicht nötig, sich im noblen Bankendistrikt von Zürich in einem verglasten Besprechungsraum zu präsentieren, sondern hier, im Untergeschoss der Jugendherberge in Zürich. Eine zeitgemässe und nachhaltig ausgerichtete Transitzone, wo Menschen jeglicher Couleur ankommen, verweilen, weiterreisen. 

Ein Miniabbild davon, was Menschen alles brauchen

Mitverantwortlich für den unversnobten Groove ist massgeblich Janine Bunte. Als Vereinspräsidentin und CEO von Jugendherbergen Schweiz ist sie so etwas wie die Ideenmutter von discover.swiss. «Digitale Transformation darf nie nur abstrakt gedacht werden», sagt Janine Bunte, «der Mensch respektive der Gast steht in unserer Branche immer im Mittelpunkt.» Das habe sie veranlasst, vor drei Jahren auf Jon Erni zuzugehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie der Zukunft in der Tourismusbranche sinnvoll begegnet werden könne. Man trage eine grosse Verantwortung, und sie wolle, dass «auch die Generationen nach mir von unserer Arbeit profitieren.» Janine Bunte setzt sich, wie übrigens alle anderen im Vorstand, seit fast drei Jahren in ihrer Freizeit für das Projekt ein. Es brauche «eine grosse Portion Idealismus», doch genau das treibe ein Team mit einer starken Vision ja auch an. 

Tatsächlich: Obwohl es bei discover.swiss durchaus um stattliche Beträge geht, wirken die Initianten zuversichtlich und unverkrampft. Die Genossenschaftsgründer sind überzeugt und wirken als Team eher wie eine fitte Sportmannschaft, die gemeinsam auf einen Wettkampf trainiert, als weniger wie Profit orientierte Businesspartner. Das bewiesen sie während der konzentrierten, dreistündigen Präsentation, wie auch am Schluss der Sitzung – bei einer ausgelassenen Runde am Töggelikasten. 


«Warum wir an die Genossenschaft glauben…»

...«weil die Glaubwürdigkeit gewährleistet ist und persönliche, vertrauliche Daten bei einer Genossenschaft gut und seriös aufgehoben sind.» Jon Erni

...«weil man als juristische Form sehr unkompliziert wachsen kann.» Janine Bunte

…«weil die Verantwortung auf mehrere Partner abgestützt wird.» Urs Wagenseil


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