Mitgliederportrait: fenaco Genossenschaft

Portrait | 05.11.2020

Die fenaco ist ein grosser Schweizer Konzern – vor allem aber auch eine traditionelle Agrargenossenschaft. Sie liegt in den Händen von über 23’000 aktiven Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Im Interview mit Henrik Schoop, Geschäftsführer Idée Coopérative, zeigt Martin Keller, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, den USP der fenaco auf und macht deutlich, wie wichtig für sie die genossenschaftliche Idee ist.

Was ist der Gründungsursprung Ihrer Genossenschaft?
Vor etwa 150 Jahren haben sich weitsichtige Bäuerinnen und Bauern in ganz Westeuropa zu genossenschaftlichen Selbsthilfeorganisationen für die Beschaffung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten zusammengeschlossen. Die so entstandenen Genossenschaften heissen in der Schweiz heute Landi. Diese haben sich Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert in regionalen Genossenschaftsverbänden organisiert. 1993 war die Zeit reif für einen nationalen Zusammenschluss von sechs dieser Verbände: Die fenaco Genossenschaft als Gemeinschaftsunternehmen der Schweizer Landwirtinnen und Landwirte entstand.

Was ist der USP der fenaco?
De la terre à la table. Ich denke, es gibt kein anderes Unternehmen in der Schweiz, auf das diese Aussage besser zutrifft als die fenaco. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Land- und Ernährungswirtschaft schaffen wir Mehrwerte für die Bäuerinnen und Bauern. Als Lieferantin bieten wir ihnen eine breite Palette von Produkten, Dienstleistungen und Technologien, die es für eine nachhaltige, effiziente und marktorientierte Landwirtschaft braucht. Als ihre Vermarktungspartnerin sorgen wir dafür, dass die wertvollen Schweizer Lebensmittel zu den Kundinnen und Kunden kommen – von Obst, Gemüse, Kartoffeln und Getreide bis zu Fleisch und Getränken.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Darauf, dass es uns in den vergangenen Jahren gelungen ist, den Nutzen für unsere Genossenschaftsmitglieder kontinuierlich zu erhöhen. Zum einen hinsichtlich der Leistungen, die wir für sie erbringen, zum anderen finanziell. Wir sind wirtschaftlich erfolgreich unterwegs, konnten mehrheitlich organisch wachsen, unser Eigenkapital stärken und Schulden abbauen. Heute können wir jedes Jahr über 30 Millionen Franken an die Landis und deren Mitglieder überweisen. Unsere Mitgliederzahlen steigen. Ein klares Indiz dafür, dass wir unserem genossenschaftlichen Auftrag gerecht werden. Stolz machen mich aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie leisten oftmals mehr, als wir von ihnen erwarten und setzen unsere Strategie mit den drei Stossrichtungen Innovation, Nachhaltigkeit und Kompetenz konsequent um. Sie sind der Schlüssel für unseren nachhaltigen Erfolg.

Besitzen Sie eine spannende Trouvaille in Ihrem Genossenschaftsarchiv, die Sie uns zeigen können?
In meinem Büro hängen ein Brief und eine Rechnung aus dem Jahr 1897. Es handelt sich um einen Schriftwechsel zwischen einem Landwirt und dem damaligen Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften von Bern und benachbarter Kantone. Es geht unter anderem um den Preis für eine Kartoffellieferung. Auch wenn mittlerweile nicht mehr Ross und Wagen, sondern Traktoren und Lastwagen vorfahren, Annahmescheine, Taxationen und Rechnungen digital ausgestellt werden und wir per E-Mail korrespondieren: Die Landwirtschaft und damit die fenaco hat nach wie vor den Auftrag, die Bevölkerung der Schweiz mit gesunden, qualitativ hochwertigen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln zu versorgen. Auch die damit verbundenen Herausforderungen sind in den vergangenen mehr als 100 Jahren oftmals dieselben geblieben. Die beiden Zeitzeugnisse führen mich also immer wieder zu den Wurzeln unseres Unternehmens zurück.

Inwiefern profitiert Ihre Genossenschaft von der Idée Coopérative? Wieso kannst du die Mitgliedschaft auch anderen Genossenschaften empfehlen?
Die Idée Coopérative ist für uns eine spannende Austauschplattform. Wir können von den Erfahrungen anderer Mitglieder profitieren und gleichzeitig unsere eigene Perspektive einbringen. Ich bin überzeugt, dass die Gesellschaftsform der Genossenschaft in der Schweizer Wirtschaft nach wie vor zu wenig Beachtung erhält. Dabei ist die Erbringung von Mitgliedernutzen sinnstiftend und das Prinzip der demokratischen Mitsprache aktueller denn je. Die Idée Coopérative ist die richtige Plattform, um dies zu kommunizieren.

Name: Martin Keller
Position: Vorsitzender der Geschäftsleitung

www.fenaco.com